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Wissen · Herdenmanagement

Vorsprung durch DNA-Informationen

Gutes Herdenmanagement beruht auf einer Mischung aus Erfahrung, laufender Tierbeobachtung und zuverlässigen Tierdaten. DNA-Informationen ergänzen die klassische Bewertung und lösen einen Zielkonflikt, der bei vielen Kamelidenbeständen lange unvermeidlich schien: Zuchtziele wie Fasertyp, Fellfarbe oder Körperbau erreichen, ohne dass die Inzucht in der oft kleinen Ausgangspopulation weiter steigt.

Vorteile durch DNA-Informationen

Bevor direkte DNA-Informationen verfügbar wurden, kam das Wissen zur Zuchtplanung ausschließlich aus Generationen an Beobachtung: welche Tiere und Linien was vererben, welche Verpaarungen sich bewährt haben, wo Überraschungen zu erwarten sind. DNA-Informationen ersetzen dieses Können nicht. Sie erweitern es und ermöglichen bislang nicht verfügbare Strategien.

  1. Merkmale etablieren und erhalten

    Prüfen und Beobachten

    Die genaue Kenntnis der einzelnen Tiere und Linien war die Basis: Fasertyp und Fellfarbe, Körperbau, Nachzuchtergebnisse. Erfahrene Halter konnten daraus ableiten, was eine Verpaarung bringen könnte. Zweck war es in erster Linie, gewünschte Merkmale zu festigen. Bei knappen Ausgangsbeständen geschah das oft über engere Verpaarungen.

  2. Gezielte DNA-Tests

    Einzelne Anlagen werden steuerbar

    Dank DNA-Tests sind einzelne vererbte Merkmale wie die Fellfarbe inzwischen gezielt adressierbar. Die über wenige Importlinien begründeten Kamelidenbestände vieler Länder haben dabei jedoch häufig eine eingeschränkte genetische Vielfalt. Deren Eindämmung ohne genombasierte Bewertungen scheitert an der Realität kleiner Populationen. Inzucht und genetische Vielfalt →

  3. Neu mit Generatio

    Genombasierte Inzuchtsteuerung

    Unser Test „Inzucht & Vielfalt (Fitness) CAMELIDEN" liest über einen 60k-Array direkt das Genom des untersuchten Tieres und ermittelt zuverlässig die Anteile, die von gemeinsamen Vorfahren stammen. Er liefert alle drei relevanten Parameter: das ROH-Profil (Ausmaß und Lage der Inzuchtbereiche in den einzelnen Chromosomen), den genomischen Inzuchtkoeffizienten (GIK) und die genomische Heterozygotie (HE). In der Verpaarungsplanung zeigen wir, welche Inzuchtlage bei den potenziellen Nachkommen resultieren würde. Der Test eignet sich auch zur Abklärung des individuellen Inzuchtstatus bei unspezifisch eingeschränktem Allgemeinbefinden. Die Wirkung auf die Gesamtlage der Herde lässt sich unmittelbar ableiten. Durch konsequente Anwendung verbessert sich die Lage von Wurf zu Wurf.

Komponenten

Das DNA-gestützte Herdenmanagement beruht auf wenigen Bausteinen, die sich gegenseitig ergänzen. Was Sie davon nutzen, entscheiden die Zuchtziele Ihrer Herde.

Systematische Probenerfassung

Das zugrunde liegende Probenmaterial sollte erkennbar vorhanden, zuverlässig und leicht archivierbar sein. Ist das gegeben, steht es für spätere Untersuchungen schnell und unkompliziert zur Verfügung. Das gilt auch für Fragen, die sich erst Jahre später stellen mögen. Je nach Ausgangslage und Ziel stehen verschiedene Probenmaterialien und Archivierungsoptionen zur Wahl.

Probenahme und Materialien →

Grundlegende DNA-Arbeiten

Die Basis, die jedes Tier bekommen sollte, ist ein DNA-Profil „Identität" inklusive Inzuchtbewertung. Sind die Elterntiere erfasst, kommt der DNA-Abstammungsnachweis hinzu. Der Nutzen reicht über die eigene Zucht hinaus: Auch ein Jungtier, das nicht in die eigene Nachzucht geht, wird damit wertvoller, weil Herkunft und genetischer Hintergrund eindeutig belegt sind.

Paarungsbewertungen

Welche Prognose bekomme ich in welcher Kombination? Kandidatenverpaarungen werden vor der Entscheidung hinsichtlich ihrer Wirkung bewertet. Dabei zeigt sich, welche Anlagen zusammenkommen und wie die Prognose für den Inzuchtgrad der Nachkommen aussieht. Nicht auf unsichere Berechnungen gestützt, sondern auf wissenschaftlich belegte DNA-Informationen.

Einstieg und Weiterführung

Die Initialisierung umfasst eine sorgfältige Abbildung des vorhandenen Herdenbestands. Gerne beraten wir Sie zu den Details. In der Fortführung genügt dann die laufende Erfassung der Jungtiere sowie der zugekauften Zuchttiere.

Einmalig

Einstieg

  1. ATC-Konto eröffnen. Das Animal Trust Center ist die Plattform, über die Bestellungen, Proben und Befunde laufen.
  2. Herdenbestand ersterfassen. Die vorhandenen Zuchttiere werden einmalig beprobt und typisiert. Das ist die Grundlage für alle späteren Auswertungen und Verpaarungsbewertungen.
  3. Online-Tierakte je Tier. Zu jedem Tier entsteht eine Akte, in der alle Informationen dauerhaft und sicher hinterlegt sind. Nichts kann verlorengehen und ist jederzeit abrufbar. Beim Wechsel des Besitzers kann eine Tierakte samt Befunden übertragen werden.
Laufend

Weiterführung

Hier konzentrieren wir uns auf die Proben der Jungtiere sowie der von extern hinzukommenden Zuchttiere. DNA-Typisierungen erfolgen nach Bedarf.

Baustein Archiv

Die Probe wird sicher hinterlegt und bleibt aktivierbar. Im Anschluss kann jederzeit die passende Untersuchung veranlasst werden.

Baustein Analysen

Die Probe wird im selbst bestimmten Umfang untersucht:

  • DNA-Fingerabdruck: sichert die eindeutige Tier-Identität.
  • Abstammungsprüfung: bestätigt die Verwandtschaftsverhältnisse im Stammbaum.
  • Inzucht und Vielfalt: liefert die Grundlage für jede Verpaarungsentscheidung.

Im Zuchtverband oder individuell vernetzt sein

Der Austausch mit anderen Haltern und Züchtern ist unersetzlich. Denn hier kommen jahrelanges Fachwissen und wertvolle Erfahrungswerte zusammen. Für diesen Austausch gibt es zwei Wege.

Traditionell

Zuchtverbände

Zuchtverbände führen das Zuchtbuch einer Rasse oder Linie. Es ist oft über Jahre gewachsen und bietet allen Mitgliedern Einblicke in die Bewertungen der zugelassenen Zuchttiere. Darüber hinaus unterstützen sie ihre Mitglieder in vielen Fragen der Zucht und organisieren die äußerliche Bewertung der Tiere. Viele betreiben eigene Online-Plattformen.

Generatio ist Partner von Zuchtverbänden und integriert seine Arbeiten unmittelbar in deren Zuchtbuchführung: Unsere Programme sichern die Logistik und gewährleisten die Korrektheit der Abstammungen.

DNA-Programme im ATC →
Offen

In der Community

Nicht jeder Halter gehört einem Zuchtverband an. Der Wunsch, moderne DNA-Informationen zu nutzen und mit anderen zusammenzuarbeiten, besteht trotzdem. Dafür haben wir die offenen DNA-Programme des ATC eingerichtet: dieselbe Systematik, dieselben Auswertungen und dieselbe wirksame Vernetzung.

Wer mitmacht, bringt seine Tiere in einen gemeinsamen Datenbestand ein und kann so Verpaarungen weit über den eigenen Bestand hinaus bewerten. Ob als privates Netzwerk unter sich oder offen für alle: Das ATC ist die gemeinsame Plattform dafür.

Offene DNA-Programme ansehen →