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Wissen · Fellfarben beim Pferd

Fellfarben verstehen: wie Farbe beim Pferd vererbt wird

Die Fellfarbe eines Pferdes folgt klaren genetischen Regeln. Zwei Gene legen die Grundfarbe fest: Fuchs, Brauner oder Rappe. Weitere Gene hellen sie auf, mischen weiße Haare ein oder erzeugen Scheckungen. Viele dieser Anlagen bleiben äußerlich verborgen und zeigen sich erst bei den Nachkommen. Einige sind zudem mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Dieser Beitrag erklärt, wie die Farbgene zusammenwirken, wann ein DNA-Test sinnvoll ist und welche Varianten Generatio untersucht.

Warum auf Fellfarben testen?

Was man am Pferd sieht, ist nur ein Teil dessen, was es vererbt. Ein Rappe kann die Anlage für Fuchs tragen, ein Fuchs einen Aufhellungsfaktor, der an ihm selbst unsichtbar bleibt. Ein DNA-Test macht diese Anlagen sichtbar, unabhängig von Alter, Jahreszeit und Fellzustand.

Dokumentation

Farbe sicher bestimmen

Fohlenfell täuscht, Schimmel hellen mit den Jahren auf, und manche Farbtöne sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Der Genotyp liefert eine eindeutige Farbangabe für Zuchtbuch, Equidenpass und Verkaufsunterlagen.

Verdeckte Anlagen

Erkennen, was nicht zu sehen ist

Rezessive Varianten wie Fuchs, Pearl oder Mushroom zeigen sich nur bei zwei Kopien. Andere werden überdeckt: Silver ist am Fuchs nicht sichtbar, Cream am Rappen kaum. Auch minimal gezeichnete Schecken fallen oft nicht als solche auf.

Zuchtplanung

Fohlenfarben vorhersagen

Sind die Genotypen beider Eltern bekannt, lassen sich die möglichen Fohlenfarben mit ihren Wahrscheinlichkeiten berechnen. Ein reinerbiges Pferd gibt seine Variante an jedes Fohlen weiter. Das ist für gezielte Farbzucht entscheidend.

Hauptgene und Modifikatoren

Jede Pferdefarbe baut auf zwei Pigmenten auf: dem schwarzen Eumelanin und dem roten Phäomelanin. Zwei Hauptgene bestimmen, welches Pigment wo gebildet wird. Daraus ergibt sich die Grundfarbe. Alle weiteren Farbgene verändern diese Grundfarbe und heißen deshalb Modifikatoren. Die unterstrichenen Namen führen zum jeweiligen Artikel im Lexikon.

Die Grundfarbe: zwei Gene, drei Farben

Hauptgen · MC1R

Extension (E-Lokus)

Extension entscheidet, ob ein Pferd überhaupt schwarzes Pigment im Fell bilden kann. Das dominante Allel E erlaubt Schwarz. Mit zwei Kopien des rezessiven Allels e entsteht nur rotes Pigment: Das Pferd ist ein Fuchs, gleichgültig, was am Agouti-Lokus vorliegt.

Hauptgen · ASIP

Agouti (A-Lokus)

Agouti steuert die Verteilung des schwarzen Pigments. Das dominante Allel A begrenzt Schwarz auf Mähne, Schweif und Beine: Das Pferd ist ein Brauner. Mit a/a bleibt das Schwarz am ganzen Körper: Das Pferd ist ein Rappe. Am Fuchs ist Agouti nicht sichtbar, wird aber vererbt.

So ergibt sich die Grundfarbe aus beiden Genen
ExtensionAgoutiGrundfarbe
e/ebeliebigFuchs
E/E oder E/eA/A oder A/aBrauner
E/E oder E/ea/aRappe

Modifikatoren: Aufhellung

Aufhellungsfaktoren verdünnen das Pigment. Welche Farbe entsteht, hängt von der Grundfarbe ab und davon, ob eine oder zwei Kopien der Variante vorliegen.

Aufhellungsfaktoren beim Pferd
VarianteGenErbgangWirkung
CreamSLC45A2unvollständig dominantEine Kopie ergibt Palomino (Fuchs) oder Buckskin (Brauner). Zwei Kopien ergeben sehr helle Pferde mit blauen Augen: Cremello, Perlino, Smoky Cream.
PearlSLC45A2rezessivSichtbar erst bei zwei Kopien oder zusammen mit einer Kopie Cream. Liegt im selben Gen wie Cream.
ChampagneSLC36A1dominantHellt rotes und schwarzes Pigment auf. Typisch sind gesprenkelte Haut und helle Augen.
Falbe (Dun)TBX3dominantHellt den Körper auf, Kopf und Beine bleiben dunkler. Dazu kommen Aalstrich und oft Zebrastreifen an den Beinen. Dun gilt als ursprüngliche Färbung des Pferdes.
SilverPMELdominantHellt nur schwarzes Pigment auf, vor allem in Mähne und Schweif. Am Fuchs bleibt Silver unsichtbar.
MushroomMFSD12rezessivHellt rotes Pigment zu einem matten Sandton auf. Bekannt vor allem beim Shetlandpony.

Modifikatoren: weiße Haare im Fell

Schimmel und Stichelhaar
VarianteGenErbgangWirkung
Schimmel (Grey)STX17dominantDas Fohlen wird farbig geboren und ergraut fortschreitend, bis das Fell weiß erscheint. Die Haut bleibt dunkel.
Roan (Stichelhaar)KIT-RegiondominantWeiße Haare sind gleichmäßig in das Körperfell gemischt, Kopf und Beine bleiben farbig. Das Muster verändert sich im Alter kaum. Der Noriker Roan ist eine eigene Variante im KIT-Gen.

Modifikatoren: Scheckung und Weißzeichnung

Scheckungsgene verhindern, dass Pigmentzellen bestimmte Hautbereiche erreichen. Dort bleiben Haut und Fell weiß. Mehrere Scheckungsgene können sich in ihrer Wirkung verstärken.

Scheckungsgene beim Pferd
VarianteGenErbgangWirkung
TobianoKITdominantGroße, klar begrenzte weiße Flächen, die meist über den Rücken reichen. Die Beine sind häufig weiß.
Frame OveroEDNRBdominant, reinerbig letalWeiße Flächen an Flanken und Kopf, der Rücken bleibt meist farbig. Die Ausprägung reicht von deutlich bis kaum sichtbar.
Sabino-1KITunvollständig dominantHohe weiße Beine, breite Blesse und ausgefranste Flecken am Bauch. Mit zwei Kopien ist das Pferd fast vollständig weiß.
Splashed WhiteMITF, PAX3unvollständig dominantWeißer Kopf, weiße Beine und weißer Bauch, als wäre das Pferd in Farbe getaucht. Häufig blaue Augen. Mehrere Varianten (SW1, SW2 und weitere).
Dominantes Weiß (W)KITdominantÜber 30 bekannte Varianten, viele davon auf einzelne Linien begrenzt. Der Weißanteil reicht von verstärkten Abzeichen bis zum ganz weißen Pferd. W20 ist weit verbreitet und verstärkt andere Scheckungen.
Leopard-Komplex (LP)TRPM1unvollständig dominantTigerscheckung, wie sie von Appaloosa und Knabstrupper bekannt ist. Pattern-1 (PATN1) vergrößert zusammen mit LP den Weißanteil deutlich.

Mit einem Gesundheitsrisiko verbunden. Das Zeichen führt zum Abschnitt „Gesundheitliche Relevanz“.

Gesundheitliche Relevanz

Farbgene steuern nicht nur Pigment. Pigmentzellen entstehen in der frühen Entwicklung aus demselben Gewebe wie Teile des Nervensystems, des Innenohrs und des Auges. Deshalb kann eine Farbvariante auch dort Folgen haben. Die folgenden Gene sind dafür bekannt.

EDNRB · Risiko bei O/O

Frame Overo: Overo Lethal White Syndrome (OLWS)

Fohlen mit zwei Kopien werden weiß geboren. Ihrem Darm fehlen Nervenzellen, er kann den Inhalt nicht weitertransportieren. Die Fohlen sind nicht lebensfähig und sterben innerhalb weniger Tage. Träger mit einer Kopie sind gesund, zeigen die Scheckung aber nicht immer erkennbar. Aus zwei Trägern entsteht mit 25 % Wahrscheinlichkeit ein betroffenes Fohlen.

Lexikon: Frame Overo
TRPM1 · Risiko bei LP/LP

Leopard-Komplex: angeborene Nachtblindheit (CSNB)

Pferde mit zwei Kopien sehen bei schwachem Licht und in der Dunkelheit nicht. Die Störung ist angeboren und schreitet nicht fort, das Sehen bei Tag ist normal. Pferde mit LP haben außerdem ein erhöhtes Risiko für die periodische Augenentzündung (ERU), am höchsten bei LP/LP.

Lexikon: Leopard-Komplex
PMEL · Risiko bei Z/n und Z/Z

Silver: Multiple Congenital Ocular Anomalies (MCOA)

Schon eine Kopie kann Zysten im Auge verursachen, die das Sehen meist nicht beeinträchtigen. Mit zwei Kopien treten mehrere Fehlbildungen des Auges auf, darunter eine vorgewölbte Hornhaut, Veränderungen der Iris und Linsentrübung. Weil Silver am Fuchs unsichtbar ist, bleiben Träger ohne Test oft unerkannt.

Lexikon: Windfarben und Silver
MITF, PAX3 · je nach Variante

Splashed White: Taubheit

Fehlen Pigmentzellen im Innenohr, ist das Pferd taub. Das betrifft einen Teil der Splashed-White-Pferde, vor allem solche mit viel Weiß am Kopf und blauen Augen. Für SW2 wird zudem angenommen, dass Embryonen mit zwei Kopien nicht lebensfähig sind.

Lexikon: Splashed White
KIT · reinerbig, je nach Variante

Dominantes Weiß: früher Fruchttod

Für viele W-Varianten gilt als wahrscheinlich, dass Embryonen mit zwei Kopien früh in der Trächtigkeit absterben. Die Stute bleibt dann scheinbar güst. W20 ist eine Ausnahme: Reinerbige Pferde sind lebensfähig und gesund. Die Anpaarung zweier Träger derselben W-Variante sollte vermieden werden.

Lexikon: Dominantes Weiß
STX17 · Risiko bei G/n und G/G

Schimmel: Melanome

Die Mehrzahl der Schimmel entwickelt im Alter Melanome der Haut, häufig unter der Schweifrübe, am After und am Kopf. Sie wachsen meist langsam, können aber stören und streuen. Reinerbige Schimmel ergrauen schneller und haben ein höheres Melanomrisiko. Auch ein Pigmentverlust der Haut (Vitiligo) kommt vor.

Lexikon: Schimmel

Farb-Orakel: welche Fellfarbe kann das Fohlen haben?

Wählen Sie für Mutter und Vater die beiden Allele je Genort: zuerst die Grundfarbe (E-Lokus und A-Lokus), danach die Aufhellungsfaktoren Cream, Pearl, Champagne, Dun, Silver und Mushroom. Ein Strich im Feld bedeutet, dass für diesen Marker kein Befund vorliegt. Das Orakel lässt ihn dann aus der Rechnung und nennt ihn unter dem Ergebnis. Aus den übrigen Angaben berechnet es, welche Fellfarben beim Fohlen möglich sind und mit welcher Wahrscheinlichkeit.

Genotyp der Mutter

Grundfarbe

Aufhellungsfaktoren

Fellfarbe der Mutter: Brauner

Genotyp des Vaters

Grundfarbe

Aufhellungsfaktoren

Fellfarbe des Vaters: Brauner

Grundfarbe des Fohlens

  • Fuchs 25 %
  • Brauner 56,25 %
  • Rappe 18,75 %

Mögliche Fellfarben des Fohlens

Wahrscheinlichste Fellfarbe: Brauner (56,25 %).

  • Brauner 56,25 %
  • Fuchs 25 %
  • Rappe 18,75 %

Befund nicht für beide Elterntiere vorhanden und deshalb nicht berücksichtigt: Cream, Pearl, Champagne, Dun, Silver und Mushroom.

Bei Generatio testbare Genvarianten

Generatio untersucht die wichtigsten Farbgene des Pferdes einzeln oder im Paket. Die Pakete fassen zusammen, was fachlich zusammengehört, und sind der einfachste Einstieg. Jeder Eintrag führt direkt zum Test im Shop.

Pakete

2 Gene

Grundfarben Pferd

Extension und Agouti. Das Paket klärt, ob ein Pferd genetisch Fuchs, Brauner oder Rappe ist und welche Grundfarbe es verdeckt trägt.

Paket Grundfarben ansehen
5 Varianten

Aufhellungsfaktoren Pferd

Cream, Champagne, Silver, Pearl und Dun (Falbe). Das Paket zeigt, welche Aufhellungen ein Pferd trägt, auch wenn sie an ihm selbst nicht sichtbar sind.

Paket Aufhellungsfaktoren ansehen
Scheckung

Dominantes Weiß und Scheckenmuster Pferd

Die häufigsten Varianten für Dominantes Weiß und Scheckenmuster. Das Paket klärt vorhandene Weißanteile ab und beugt unbewussten Trägerpaarungen vor.

Paket Scheckenmuster ansehen

Einzeltests

Alle Einzeltests zu Fellfarben beim Pferd
GruppeVarianteGenZum Test
GrundfarbeExtension (E-Lokus)MC1RExtension testen
GrundfarbeAgouti (A-Lokus)ASIPAgouti testen
AufhellungCreamSLC45A2Cream testen
AufhellungPearlSLC45A2Pearl testen
AufhellungChampagneSLC36A1Champagne testen
AufhellungFalbe (Dun)TBX3Falbe (Dun) testen
AufhellungSilver / MCOAPMELSilver testen
AufhellungMushroomMFSD12Mushroom testen
StichelhaarNoriker RoanKITNoriker Roan testen
ScheckungTobianoKITTobiano testen
ScheckungFrame OveroEDNRBFrame Overo testen
ScheckungSabino-1KITSabino-1 testen
ScheckungSplashed White 1 (SW1)MITFSW1 testen
ScheckungSplashed White 2 (SW2)PAX3SW2 testen
ScheckungTigerschecken (LP)TRPM1Leopard-Komplex testen
ScheckungPattern-1 (PATN1)RFWD3Pattern-1 testen
Dominantes WeißWhite Spotting W8KITW8 testen
Dominantes WeißWhite Spotting W16KITW16 testen
Dominantes WeißWhite Spotting W19KITW19 testen
Dominantes WeißWhite Spotting W20KITW20 testen
Dominantes WeißWhite Spotting W21KITW21 testen
Dominantes WeißWhite Spotting W30KITW30 testen

Mit einem Gesundheitsrisiko verbunden. Das Zeichen führt zum Abschnitt „Gesundheitliche Relevanz“.