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Popular Sire Syndrom

Als Popular Sire Syndrom (auch Popular-Sire-Effekt) bezeichnet man die Folgen, die entstehen, wenn ein einzelnes Vatertier in einer Population übermäßig häufig zur Zucht eingesetzt wird. Betroffen sind vor allem die genetische Vielfalt der Population, ihr Inzuchtgrad und die Verbreitung von Erbkrankheiten.

Wie es entsteht

Ein Vatertier wird unter Züchtern begehrt, wenn das Tier selbst herausragend ist; in der Hoffnung, dass das Tier seine besonderen Eigenschaften auch in seinen Nachkommen hervortreten lässt. Zur Zucht wird es dann bevorzugt eingesetzt.

Ein einzelner Rüde oder Hengst kann so in kurzer Zeit Hunderte oder Tausende Nachkommen haben, während andere Vatertiere kaum genutzt werden. Sind seine Söhne ebenfalls gefragt, verstärkt sich der Effekt über mehrere Generationen.

Besonders problematisch wird es, wenn auch die Töchter des Popular Sire bevorzugt in der Zucht eingesetzt werden. Sein Erbgut gelangt dann sowohl über die Vater- als auch über die Mutterseite in die folgenden Generationen, und seine Nachkommen werden zwangsläufig miteinander verpaart. Am Ende gehen ganze Populationen trotz einer hohen Zahl aktiver Zuchttiere auf wenige Ahnen zurück und weisen eine entsprechend hohe Inzucht auf. Die große Zahl der Zuchttiere täuscht dann über die tatsächlich geringe genetische Vielfalt hinweg.

Folgen für die Population

  • Verlust genetischer Vielfalt: Ein großer Teil des Erbguts der Population geht auf ein einziges Tier zurück. Die effektive Populationsgröße, ein Maß für die genetisch wirksame Größe einer Population, hängt stark von der Zahl der tatsächlich eingesetzten Vatertiere ab und sinkt entsprechend. Beim einzelnen Tier zeigt sich das in einer geringeren genomischen Heterozygotie.
  • Steigende Inzucht: Schon eine Generation später sind viele Zuchttiere Halbgeschwister. Verpaarungen unter Verwandten lassen sich dann kaum noch vermeiden, und der genomische Inzuchtkoeffizient der Nachkommen steigt.
  • Verbreitung von Erbkrankheiten: Jedes Tier trägt einige rezessive Krankheitsanlagen, ohne selbst zu erkranken. Ist ein Popular Sire Träger einer solchen Anlage, gibt er sie an etwa die Hälfte seiner Nachkommen weiter. Werden diese später untereinander verpaart, treten erkrankte Tiere auf. Bemerkt wird die Anlage oft erst, wenn sie bereits weit verbreitet ist.

Beispiel: HYPP beim Quarter Horse

Der Quarter-Horse-Hengst "Impressive" (geboren 1969) war wegen seiner ausgeprägten Bemuskelung sehr gefragt und hatte eine große Zahl von Nachkommen. Er trug eine Mutation im SCN4A-Gen, die die Hyperkaliämische Periodische Paralyse (HYPP) verursacht. Die Anlage wird dominant vererbt. Weil Trägertiere häufig besonders stark bemuskelt sind, wurden sie bei der Zuchtauswahl zusätzlich bevorzugt, und die Mutation verbreitete sich unter den Nachkommen von Impressive weit (Rudolph et al. 1992).

Der amerikanische Zuchtverband AQHA schreibt heute für Nachkommen von Impressive einen HYPP-Test vor; reinerbig betroffene Pferde (H/H) werden nicht mehr eingetragen.

Gegenmaßnahmen

  • Einsatz einzelner Vatertiere begrenzen. Die FCI empfiehlt in ihren internationalen Zuchtstrategien, dass ein Rüde nicht mehr Nachkommen haben sollte, als 5 % der in einem Zeitraum von fünf Jahren in seiner Rasse eingetragenen Welpen entsprechen.
  • Vatertiere vor intensivem Zuchteinsatz testen, und zwar auf die in der Rasse bekannten Erbkrankheiten.
  • Verwandtschaft bei der Anpaarung berücksichtigen, zum Beispiel mit dem genomischen Inzuchtkoeffizienten (GIK), der genomischen Heterozygotie und ROH-Profilen.
  • Viele verschiedene Vatertiere einsetzen, auch aus weniger bekannten Linien.

Unsere DNA-Tests zur Inzuchtanalyse

Mit einer genombasierten Inzuchtanalyse bestimmt Generatio den genomischen Inzuchtkoeffizienten, die genomische Heterozygotie und das ROH-Profil eines Tieres. Die Werte zeigen, wie stark ein Tier bereits von Inzucht geprägt ist, und dienen als Grundlage für die Anpaarungsplanung.

Einzeltests:

Pakete mit Inzuchtanalyse:

Nützliche Links - Literatur

Lexikon:

Literatur:

  • Rudolph, J.A., Spier, S.J., Byrns, G., Rojas, C.V., Bernoco, D., Hoffman, E.P.: Periodic paralysis in quarter horses: a sodium channel mutation disseminated by selective breeding.Nat Genet 2:144-147, 1992. DOI: 10.1038/ng1092-144
  • Leroy, G., Baumung, R.: Mating practices and the dissemination of genetic disorders in domestic animals, based on the example of dog breeding.Anim Genet 42:66-74, 2011. DOI: 10.1111/j.1365-2052.2010.02079.x
  • FCI: International Breeding Strategies (Fédération Cynologique Internationale).